Hypnotherapeutische Interventionen bei Zwängen




Zwangsstörungen gelten allgemein als kompliziert und langwierig in der Behandlung. Etwa 2% der Bevölkerung sind davon betroffen. Meist beginnt die Erkrankung im Jugend- und frühen Erwachsenenalter. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt in Fachkreisen als Therapie der Wahl. Klinische Erfahrungen zeigen allerdings, dass bei vielen Behandlungssuchenden mit Zwängen (und Therapeuten) der Widerstand gegenüber einer verhaltenstherapeutischen Konfrontationsbehandlung sehr groß ist und ein Therapieabbruch nicht selten die Folge ist. Ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Patienten mit einer Zwangsstörung spricht auf kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren nicht oder nur unzureichend an. In dem Workshop soll gezeigt werden, dass sich Hypnotherapie gut für die Behandlung von Zwängen eignet. Hypnotische Interventionen lassen sich nicht nur problemlos mit verhaltenstherapeutischen Verfahren kombinieren, sondern stellen eine wirkungsvolle Ergänzung und Erweiterung dar, so dass auch Behandlungssuchende, die von den bisherigen therapeutischen Verfahren nicht profitieren, eine deutliche Besserung der Symptomatik erfahren können. Wesentliches Merkmal der Arbeit mit Hypnose liegt in der Ressourcenorientierung, was bedeutet, dass es nicht primär darum geht, störendes oder dysfunktionales Verhalten zu eliminieren, sondern dass Symptome als Ressourcen verstanden und genutzt werden und der Stärkung der Ich-Funktionen von Anfang an eine große Bedeutung zukommt.

Nach einer theoretischen Einführung zu bisherigen Forschungsergebnissen, verschiedenen Erscheinungsformen, Wesen und Funktionalität der Zwangsstörung werden die Möglichkeiten von hypnotherapeutischen Interventionen erläutert und in der praktischen Arbeit demonstriert und geübt.


Dabei werden u.a. folgende Techniken und Ansätze vorgestellt:

  • Dehypnose - Vom Zwang in den Hier und Jetzt-Zustand
  • Exploration in Trance, wenn dem Zwang nachgegeben wird (Entschlüsselung der Sprache und Funktion des Symptoms)
  • Utilisation von Symptomen und Nutzung veränderter Perspektiven 
  • Selbsthypnose zur Selbstberuhigung und Selbststärkung,  
  • Symbolisierung des Zwangs und Distanzierung - Integration des Symptoms 
  • Problemlösen durch Zeitprogression, Aufbau von Alternativverhalten
  • Kopieren von Ressourcen (Unterlassen des Zwangs im Ressourcen-Erlebnisrahmen, „Zulassen“ der Zwangsgedanken)
  • Reizexposition nach dem Modell der Subjektkonstituierung (n. Hoffmann & Hofmann) 
  • Arbeit mit der Vergangenheit zur Bearbeitung zugrundeliegender Ursachen (Altersregression)
  • Aufbau einer neuen Identität „ohne Zwänge“ (Zukunftsprogression) 
  • Ich-Stärkung
  • Spezifische Metaphern und Geschichten zum Thema

Literatur: 
Hilse B. (2015) In Revenstorf D und  Peter B (Hrsg.) Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin, 3. Aufl., Springer, S. 452 - 465

Referent: B. Hilse